Frauenmantel-Alchemilla vulgaris
Frauenmantel – Schutzpflanze für Frauen und leise Magie am Wegesrand
Alchemilla vulgaris
Es gibt Pflanzen, die drängen sich nicht auf. Sie wachsen still, bodennah und fast bescheiden. Und doch tragen sie eine Kraft in sich, die Menschen seit Jahrhunderten begleitet.
Der Frauenmantel gehört zu diesen Pflanzen.
In der Eifel findet man ihn an Wiesenrändern, auf feuchten Weiden und entlang ruhiger Wege. Seine weich gefächerten Blätter fallen oft erst beim zweiten Blick auf – und dann bleibt man stehen.
Im Gartenbeet fühlt er sich aber auch schnell zuhause und ich liebe ihn dort fast mehr als andere „Blumen“.
Botanisches und Namen
Botanischer Name: Alchemilla vulgaris
Familie: Rosengewächse
Weitere Namen: Taukraut, Alchemistenkraut, Frauenhilf, Marienkraut
Homöopathie
In der Homöopathie wird Frauenmantel eingesetzt bei: Menstruationsstörungen, Wechseljahresbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, leichten Durchfällen und zur Unterstützung der Wundheilung nach Operationen oder Verletzungen.
Frauenmantel entdecken – draußen, langsam, achtsam
Der Frauenmantel ist keine Pflanze für Eile.
Man entdeckt ihn beim langsamen Gehen, beim Schauen an den Wegesrand, beim Innehalten. Genau deshalb begegnet er uns auch auf Kräuterwanderungen immer wieder – in der Eifel ebenso wie in anderen stillen Landschaften.
Vielleicht ist das sein größtes Geschenk:
Er erinnert daran, dass Kraft oft leise ist.
Schau mal, ob du nicht im Frühjahr oder Herbst eine oder zwei Pflanzen audgräbst und in deinem Gartenbeet ansiedelst. So hast du die Pflanze direkt in deiner Nähe und sie ist so hübsch!
Der Frauenmantel gilt als „Marienblume“ und pflanzt sich eingeschlechtlich fort.
Schon das allein machte ihn in früheren Zeiten geheimnisvoll. Sein Name leitet sich von alchemilla ab – der kleinen Alchemistin.
Die Form seiner Blätter erinnert an einen schützenden Mantel. Genau solche Mäntel trugen Frauen im Mittelalter.
Kein Zufall, dass der Frauenmantel seit jeher als Schutzkraut für Frauen gilt.
Die Tropfen auf den Blättern – kleine Wunder am Morgen
Besonders bezaubernd sind die Tropfen, die sich morgens oder nach Regen auf den Blättern sammeln.
Sie liegen nicht einfach darauf – sie thronen regelrecht in der Blattmitte.
Und wichtig zu wissen:
Es handelt sich dabei nicht um Tau, sondern um ausgeschiedenes Wasser der Pflanze. Dieser Vorgang heißt Guttation.
Früher galten diese Tropfen als „Himmelswasser“.
Alchemisten sammelten sie und schrieben ihnen besondere heilende Kräfte zu.
Vielleicht auch deshalb, weil sie so vollkommen wirken – klar, rund, ruhig.
Wer einmal früh morgens durch eine Wiese mit Frauenmantel gegangen ist, weiß, wie still und berührend dieser Anblick ist.
Wirkung – ein echtes Frauenkraut
In der Volksmedizin gilt der Frauenmantel als Schutzkraut für Frauen, das Kraft und innere Harmonie bringen soll.
Ihm werden folgende Wirkungen zugeschrieben:
hormonregulierend, adstringierend, wundheilend, entzündungshemmend, blutreinigend, stoffwechselanregend, durchblutungsfördernd und herzstärkend.
Diese Kombination macht ihn zu einer der wichtigsten Pflanzen in der Frauenheilkunde.
Anwendung innerlich
Als Tee aus Blättern und Blüten: bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden, bei Frauenleiden allgemein, Magen-Darm-Problemen und leichten Atemwegserkrankungen.
Als Tinktur oder Tee zur Unterstützung in der Schwangerschaft wurde der Frauenmantel traditionell genutzt.
Er soll die Gebärmutterfunktion fördern und die Milchbildung anregen.
Hier gilt wie immer: achtsam, maßvoll und gut informiert anwenden.
Der Frauenmantel ist kein dominantes Kraut, sondern eines, das sich unauffällig einfügt – wie auch seine Wirkung.
Anwendung äußerlich
Äußerlich findet der Frauenmantel ebenfalls vielfältige Verwendung: als Sitzbad bei Frauenleiden, z. B. nach der Geburt oder als Waschung bei Hautproblemen, Akne und Ekzemen und als Umschläge oder Bäder bei schlecht heilenden Wunden oder Furunkeln.
Essbar und so sanft
Auch kulinarisch ist der Frauenmantel nutzbar: die jungen Blätter sind mild im Geschmack, geeignet für Salate, Suppen oder Smoothies und dann die hübschen, zarten Blüten als essbare, heilkräftige Dekoration.
Anwendung bei Tieren
In der traditionellen Tierheilkunde wird Frauenmantel gelegentlich begleitend eingesetzt. Aufgrund seiner adstringierenden, entzündungshemmenden und wundheilenden Eigenschaften kann er äußerlich bei Hautirritationen, kleinen Wunden oder nässenden Stellen Anwendung finden, etwa in Form von Waschungen oder Umschlägen.
Innerlich wird Frauenmantel bei Tieren nur sehr zurückhaltend und fachlich begleitet genutzt, zum Beispiel bei leichten Magen-Darm-Beschwerden oder zur Unterstützung in hormonell sensiblen Phasen. Die Dosierung und Anwendung sollten stets dem Tier angepasst und verantwortungsvoll gewählt werden.