Gundermann- Glechoma hederacea
Gundermann – Glechoma hederacea
Heilkraut, Wildgemüse und alte Zauberpflanze
Der Gundermann, auch Gundelrebe, Erdefeu, Soldatenpetersilie, Heilrauf oder Zauberkraut genannt, gehört zur Familie der Lippenblütler.
Er wächst bodennah, bildet lange Ausläufer und breitet sich schnell aus. Genau das macht ihn im Garten oft unbeliebt und draußen so leicht auffindbar.
Wer ihn einmal erkannt hat, findet ihn jedes Jahr wieder.
Schon der Name verrät viel über seine frühere Bedeutung. „Gund“ steht für Eiter, faulige Wunden und krankhafte Absonderungen. Gundermann galt als Pflanze, die reinigt, klärt und wieder in Fluss bringt, innerlich wie äußerlich.
Wirkung und Pflanzencharakter
Gundermann wirkt entzündungshemmend, wundheilend, schleimlösend, auswurffördernd, harntreibend, stoffwechselanregend, entgiftend und allgemein kräftigend. Er enthält Gerbstoffe, Vitamin C und ätherische Öle, was seinen herben, würzigen Geschmack erklärt und seine medizinische Wirkung unterstützt.
Typisch für den Gundermann ist diese Mischung aus Schärfe und Frische.
Er ist kein sanftes Kraut, sondern eines, das anregt, löst und reinigt. Gerade im Frühjahr passt er gut zu dem Bedürfnis, den Körper nach dem Winter wieder zu aktivieren.
Anwendung innerlich
Innerlich wird Gundermann als Tee oder Tinktur eingesetzt bei Husten, Bronchitis, Erkältungen, Nebenhöhlenentzündungen, zur Unterstützung von Leber und Nieren, als Bestandteil einer Frühjahrskur, zur Kräftigung nach Krankheiten und bei allgemeiner Schwäche.
Auch als Wildgemüse ist er wertvoll.
Die jungen Blätter können roh oder gekocht verwendet werden, in Suppen, Salaten, Kräuterquark oder fein gehackt als würzige Zugabe.
Aber aufgepasst: Wegen seines intensiven Aromas genügt oft schon eine kleine Menge. Probiert mal ein Blättchen und ihr werdet mir zustimmen. 🙂
Anwendung äußerlich
Äußerlich kommt Gundermann als Waschung oder Umschlag mit starkem Tee bei Wunden, Ekzemen und Hautentzündungen zum Einsatz.
Frische Blätter können zerquetscht direkt auf Insektenstiche oder kleine Verletzungen gelegt werden – und da wir ihn überall finden, ist er fast immer einsatzbereit.
Als Badezusatz wird er bei Hautproblemen und rheumatischen Beschwerden genutzt.
Die wundheilende Wirkung erklärt sich durch die zusammenziehenden Gerbstoffe und die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe.
Gerade bei nässenden oder schlecht heilenden Hautstellen kann er unterstützend wirken.
Anwendung bei Tieren
Auch bei Tieren lässt sich Gundermann sinnvoll einsetzen, mit ähnlichen Schwerpunkten wie beim Menschen.
Innerlich kann ein schwacher Tee oder ein Auszug unterstützend wirken bei Husten, verschleimten Atemwegen, nach Infekten, zur Anregung von Stoffwechsel, Leber und Nieren oder in der Rekonvaleszenz.
Äußerlich eignet sich Gundermann gut für Waschungen bei kleinen Wunden, Hautirritationen, Ekzemen oder Insektenstichen.
Wichtig ist eine angepasste Dosierung und ein achtsamer Einsatz, besonders bei Katzen und empfindlichen Tieren.
In der Tierheilpraxis wird Gundermann eher begleitend eingesetzt und nicht als starkes Einzelmittel. Seine Stärke liegt im sanften Reinigen und Unterstützen, nicht im schnellen Eingreifen.
Homöopathie
In der Homöopathie wird Gundermann eher selten verwendet.
Seine Einsatzgebiete sind Atemwegserkrankungen, verschleimter Husten, chronische Bronchitis und Nebenhöhlenentzündungen.
Mythologie und Volksglaube
Im Mittelalter galt Gundermann als Zauberpflanze. Er wurde gegen Hexerei, böse Geister und negative Einflüsse eingesetzt. Diese Zuschreibungen passen gut zu seinem reinigenden, klärenden Wesen. Er wurde nicht nur als Heilpflanze, sondern auch als Schutzkraut geschätzt.
Verwechslung mit ähnlichen Pflanzen
Am häufigsten wird Gundermann mit dem Kriechenden Günsel verwechselt. Der entscheidende Unterschied liegt in der Blütenform. Gundermann bildet einzelne Blüten in den Blattachseln, während der Günsel aufrechte Blütenähren hat.
Auch mit Ehrenpreis-Arten kann es Verwechslungen geben, diese haben jedoch andere Blattformen, keinen kriechenden Wuchs mit Ausläufern und meist deutlich kleinere, filigranere Blüten.
Wer auf die Kombination aus bodennahem Wuchs, rundlichen bis nierenförmigen Blättern, kriechenden Ausläufern und einzeln stehenden blauvioletten Blüten achtet, erkennt den Gundermann zuverlässig.
Also: Der Gundermann ist ein kraftvolles, oft unterschätztes Heilkraut. Er verbindet Wildgemüse, Heilpflanze und Volksglaube auf eine sehr ursprüngliche Weise. Gerade im Frühjahr ist er ein wertvoller Begleiter, um Körper und Stoffwechsel zu aktivieren, Atemwege zu klären und alte Belastungen loszulassen.