Juni und Johanniskraut

Juni und Johanniskraut

Rote Finger reichen nicht – welches Johanniskraut eignet sich wirklich für Rotöl?

Rund um den Johannistag Ende Juni beginnt die klassische Sammelzeit für Johanniskraut. Viele Menschen kennen einen einfachen Trick zur Bestimmung: Werden die gelben Blüten zwischen den Fingern zerrieben und färben diese sich rot, soll es sich um das „echte“ Johanniskraut handeln.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht.

Rote Finger sind noch kein Beweis

Die rote Verfärbung entsteht durch Inhaltsstoffe wie Hypericin. Sie sorgt später auch dafür, dass sich Johanniskrautöl tiefrot färbt.

Doch rote Finger allein beweisen noch nicht, dass man tatsächlich das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) vor sich hat.

Auch andere Johanniskrautarten enthalten rote Farbstoffe. Besonders häufig ist das Gefleckte Johanniskraut (Hypericum maculatum). Bei dieser Art fallen die dunklen Punkte auf den Blütenblättern oft sogar besonders stark auf.

Die „durchlöcherten“ Blätter – ebenfalls kein sicheres Merkmal

Das Echte Johanniskraut verdankt seinen botanischen Namen perforatum den vielen hellen Punkten in den Blättern. Hält man sie gegen das Licht, wirken sie wie winzige Löcher. Tatsächlich handelt es sich um durchscheinende Drüsen.

Doch auch hier gilt: Dieses Merkmal allein reicht nicht aus.

Denn auch beim Gefleckten Johanniskraut können solche hellen Punkte sichtbar sein.

Worauf sollte man stattdessen achten?

Für eine sichere Bestimmung sollte immer die gesamte Pflanze betrachtet werden.

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)
  • meist eher schmale Blätter
  • deutlich sichtbare helle Drüsenpunkte
  • Stängel mit zwei ausgeprägten Längsleisten
  • beim Drehen zwischen den Fingern sind oft zwei Kanten gut spürbar
Geflecktes Johanniskraut (Hypericum maculatum)
  • häufig breitere Blätter
  • dunkle Punkte oder kleine Striche auf den Blütenblättern
  • meist stärker vierkantiger Stängel
  • häufig vier Längsleisten

Welches Johanniskraut eignet sich nun für Rotöl?

In der Pflanzenheilkunde gilt das Echte Johanniskraut als die klassische Arzneipflanze. Seine Inhaltsstoffe sind gut untersucht und bilden die Grundlage zahlreicher wissenschaftlicher Studien und Arzneimittel.

Das bedeutet jedoch nicht, dass andere Johanniskrautarten grundsätzlich ungeeignet wären. Auch das Gefleckte Johanniskraut wird regional seit langem für Rotöl verwendet und enthält ebenfalls rote Inhaltsstoffe.

Allerdings können sich Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt von Art zu Art unterscheiden. Wer sich an den traditionellen Rezepturen der Phytotherapie orientieren möchte, verwendet bevorzugt das Echte Johanniskraut.

Mein Fazit

Pflanzenbestimmung ist oft komplexer als ein einzelner Merksatz.

  • Rote Finger? Hilfreich, aber nicht ausreichend.
  • Helle Punkte im Blatt? Ebenfalls nur ein Teil der Bestimmung.
  • Erst die Gesamtheit aus Blättern, Blüten, Stängel und Standort ermöglicht eine sichere Zuordnung.

Gerade das macht Wildpflanzen für mich so spannend: Man entdeckt immer wieder, dass die Natur differenzierter ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Rotöl selbst herstellen

Für ein traditionelles Johanniskrautöl werden die frisch geöffneten Blüten gesammelt – möglichst an einem trockenen, sonnigen Tag.

Du benötigst:
  • ein sauberes Schraubglas
  • frisch gesammelte Johanniskrautblüten
  • ein hochwertiges Pflanzenöl, zum Beispiel Olivenöl oder Sonnenblumenöl
So geht’s:
  1. Die Blüten locker in ein sauberes Glas füllen, ohne sie fest zu stopfen.
  2. Mit Öl vollständig bedecken. Alle Pflanzenteile sollten gut mit Öl bedeckt sein, damit nichts schimmelt.
  3. Das Glas verschließen und an einen hellen, warmen Ort stellen, traditionell in die Sonne.
  4. Das Öl vier bis sechs Wochen ziehen lassen und das Glas gelegentlich vorsichtig schwenken.
  5. Wenn das Öl eine tiefrote Farbe angenommen hat, durch ein feines Sieb oder Tuch abfiltern und in dunkle Flaschen füllen.

Kühl und lichtgeschützt gelagert hält sich das Öl in der Regel etwa ein Jahr.

Johanniskrautöl wird traditionell äußerlich zur Pflege beanspruchter Haut sowie für entspannende Einreibungen und Massagen verwendet.

Wichtig: Johanniskraut kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Nach einer großzügigen Anwendung sollte intensive Sonneneinstrahlung vermieden werden.

Wer möchte, kann die Blüten vor dem Ansetzen einige Stunden anwelken lassen.

Als Trägeröl eignen sich verschiedene hochwertige Pflanzenöle. Traditionell wird häufig Olivenöl verwendet. Auch Sonnenblumen-, Mandel- oder Jojobaöl sind möglich. Wichtig ist, ein frisches, hochwertiges Öl zu wählen, da es die Haltbarkeit und Qualität des fertigen Rotöls beeinflusst.

 

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